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Das Sozialgericht Berlin (SG Berlin v. 17.08.12, S 210 KR 1384/12 ER) musste erneut eine Krankenkasse dazu verpflichten, eine schwangere Diabetikerin für den Zeitraum der Schwangerschaft mit einem kontinuierlichen Glukosemessgerät (CGM) zu versorgen.

Das Problem: Gerade in der Schwangerschaft sollte der Blutzucker möglichst gut eingestellt sein, ansonsten kann es zu Gefährdungen des ungeborenen Kindes und der werdenden Mutter kommen. Gleichzeitig müssen aber auch Hypoglykämien vermieden werden. Mit herkömmlichen Blutzuckermessungen erreichen viele schwangere Diabetikerinnen diese Therapieziele nicht. Hypo- oder Hyperglykämien werden z. B. zu spät gemerkt. Häufig wird auch ein Beschäftigungsverbot oder eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.

Bereits mit Beschluss vom 15.05.2012 musste das Sozialgericht Berlin (SG Berlin v. 15.05.12, S 72 KR 500/12 ER) die gleiche Krankenkasse dazu verpflichten, eine schwangere Diabetikerin mit einem CGM zu versorgen. Das Sozialgericht Berlin hatte damals bereits erhebliche Zweifel an der Auffassung des G-BA, dass CGM Geräte eine neue Methode darstellen und damit nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkasse sind, geäußert.

Dennoch wird selbst schwangeren Diabetikerinnen weiterhin von vielen gesetzlichen Krankenkassen die Versorgung mit einem CGM Gerät verweigert. Grotesk, wenn genau diese Krankenkassen mit besonderen Bonusprogrammen für Schwangere und jünge Mütter werben, gleichzeitig aber bei schwangeren Diabetikerinnen die Beeinträchtigung der körperlichen Integrität billigend in Kauf genommen wird.

Leider fügen sich auch bei schwangeren Diabetikerinnen immer mehr Ärzte der radikalen Ablehnungspraxis von gesetzlichen Krankenkassen und MDK. Das muss aber so nicht sein. Nach den vorliegenden Entscheidungen der Sozialgerichte zur CGM allgemein und zur CGM während der Schwangerschaft sind die Chancen gerade für Schwangere auf ein CGM Gerät sehr gut. Man sollte sich jedoch nicht von seiner Krankenkasse vertrösten lassen in der Hoffnung auf eine positive Entscheidung und zu lange zögern. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die gesetzlichen Krankenkassen, die ein CGM für die Schwangerschaft noch bezahlen, sehr schnell (maximal zwei bis drei Wochen, länger darf es auch nicht dauern!) entscheiden und ggf. sogar auf das MDK Gutachten verzichten.

Sobald die Schwangerschaft festgestellt wurde, sollte ein Antrag bei der Krankenkasse auf Versorgung mit einem CGM gestellt werden und auf die Eilbedürftigkeit aufmerksam gemacht werden. Spätestens nach dem ersten Ablehnungsbescheid sollte unverzüglich eine einstweilige Anordnung bei dem zuständigen Sozialgericht beantragt werden. Ein solches „Eilverfahren“ kann in ungünstigen Fällen mehrere Wochen dauern, deswegen sollte hiermit nicht zu lange gewartet werden. Auch das Sozialgericht Berlin hat in dem aktuellen Beschluss vom 17.08.2012 darauf hingewiesen, dass das Abwarten auf ein Gutachten des MDK u. U. nicht zumutbar ist, insbesondere wenn wie bei den CGM Geräten sowieso mit einer ablehnenden Entscheidung zu rechnen ist.

Scheuen Sie sich nicht vor dem Gag vor das Sozialgericht, es geht um Ihre und die Gesundheit Ihres Kindes.