| Retter in der Not: Jede Sekunde zählt... |
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Jede Sekunde zählt, wenn jemand zu ertrinken droht. Bei einer Außentemperatur von 20°C können bereits zweieinhalb bis drei Minuten Sauerstoffmangel zu dauerhaften Schäden im Gehirn führen. Äußerste Vorsicht bei der Annäherung im Wasser!
Überschätzen Sie sich
nicht. Ein Ertrinkender könnte Sie in seiner Panik verletzen oder in
ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Versuchen Sie den Betroffenen zu
beruhigen, sobald Sie in Rufweite sind und verwenden Sie einen
Schwimmreifen, eine Luftmatratze oder ähnliche Hilfsmittel.Vergeuden Sie keinesfalls wertvolle Zeit, indem Sie versuchen Wasser
aus der Lunge zu drücken! Beginnen Sie unverzüglich mit der Kontrolle
der Lebensfunktionen Bewusstsein, Atmung, Kreislauf und veranlassen Sie
in jedem Fall einen Notruf.Ist der Verunglückte ansprechbar, versuchen Sie ihn zu beruhigen. Sorgen Sie für eine geeignete Unterlage und decken Sie den Betroffenen mit einem Handtuch, einer Wolldecke oder einer Rettungsfolie zu (auch im Hochsommer). Das ist wichtig, weil das einsetzende Muskelzittern ("Kältezittern") zusätzlichen Sauerstoff verbraucht, der bei Wiederbelebung in Gehirn und Herz benötigt wird. Kontrollieren Sie in regelmäßigen Abständen die Lebensfunktionen. Auch wenn der Verunglückte sich schnell erholt, ist es unbedingt notwendig, dass ein Arzt ihn untersucht. Ist der Verunglückte bewusstlos, veranlassen Sie einen Notruf und kontrollieren Sie Atmung und Kreislauf. Atmet er und können Sie einen Pulsschlag tasten, dann bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Falls nicht, müssen Sie den Betroffenen beatmen (Mund-zu-Nase- bzw. Mund-zu-Mund-Beatmung) und die Herzdruckmassage durchführen. Fahren Sie damit fort, bis das Notfallteam Sie ablöst. Reanimation: Aufgeben ist ein Fehler!!!
Versuchen
Sie in jedem Fall eine Reanimation - auch wenn Ihnen die Lage noch so
aussichtslos erscheint. Denn je kälter die Umgebungstemperatur - also
das Wasser - ist, desto größer sind die Chancen, den Geretteten
erfolgreich zu reanimieren. Der im Wasser treibende Organismus erkennt,
dass er die Betriebstemperatur nicht mehr halten kann und schaltet auf
"Notversorgung" um. Damit versucht er, die Kerntemperatur und die
Sauerstoffversorgung der zentralen Organe und des Gehirns zu erhalten.
Körperteile, wie z. B. Arme und Beine, die für ein Überleben nicht
maßgeblich sind, werden dabei vernachlässigt.Der Effekt: Der Körper kommt mit wesentlich weniger Sauerstoff aus als üblich und überlebt somit auch länger! In einigen Fällen konnten Retter Kinder, die man erst nach 30 Minuten scheinbar leblos im Wasser fand, erfolgreich und ohne Folgeschäden reanimieren. Ertrinken ist ein schneller Prozess Ertrinken verläuft in schnell aufeinander folgenden Schritten: Das Opfer atmet unfreiwillig kleine Wassermengen ein. Das führt zu starken Hustenanfällen. Darauf folgt der so genannte Stimmritzenkrampf im Kehlkopf. Dieser automatische Schutzmechanismus verhindert, dass Wasser oder ein Fremdkörper in die Lunge gelangen. Der Ertrinkende bekommt Panik.
Durch den Stimmritzenkrampf kommt der Atemmechanismus
zum Stillstand. Der Organismus wird nicht mehr ausreichend mit
Sauerstoff
versorgt, was in weiterer Folge zur Bewusstlosigkeit führt. Der Körper schaltet damit das "Notprogramm" ein, da das Atemzentrum im so genannten "verlängerten Rückenmark" Unterversorgung meldet. Bewusstlosigkeit bedeutet unter anderem, dass die gesamte Muskulatur im Körper ihre Spannung verliert. Damit erschlafft auch die Stimmritzenmuskulatur - Wasser kann nun doch in die Lunge eintreten. Es fließt aber nur langsam ein, da sich auch die Weichteile in Mund und Rachen entspannen. Die Zunge rutscht nach hinten und verdeckt den Kehlkopf. Wasser in der Lunge Der Prozess des Ertrinkens verläuft unterschiedlich, je nachdem, ob er sich in Süß- oder Salzwasser abspielt: Normalerweise erfolgt in den Lungenbläschen der Gasaustausch. Sauerstoff tritt ins Blut ein, das vom Körper gebildete Kohlendioxid wird ausgeatmet. Beim Ertrinkenden gelangt statt Sauerstoff nun Süßwasser in die Blutbahn. Dies führt zum Zusammenbruch des Herzrhythmus. Es kommt zum Kammerflimmern: Dabei handelt es sich um sehr schnell aufeinander folgende, unregelmäßige Kontraktionen des Herzmuskels, die allerdings nicht stark genug sind, Blut zu pumpen. Das Ergebnis: Kreislaufstillstand - kein Bewusstsein, keine Atmung, kein Puls an der Halsschlagader. Etwas anders verläuft der Prozess im Falle von Salzwasser. Wegen seines hohen Salzgehalts kann es aus den Lungenbläschen nicht in den Blutkreislauf übertreten. Deshalb sammelt sich in der Lunge Wasser an. Es bildet sich ein Lungenödem. Erreicht dieses ein bestimmtes Ausmaß, kommt es zum Herzversagen. Salzwasser in der Lunge hat also dasselbe Ergebnis wie Süßwasser - Kreislaufstillstand. Helfer in der Not: Nie spontan handeln!
Wenn Sie einem Schwimmer in Not helfen wollen, handeln Sie umsichtig
und keinesfalls spontan. Nach Aussagen von Experten kommt jeder zehnte
Laienretter ums Leben, weil er den selben Gefahren (etwa durch
Unterströmungen) ausgesetzt ist oder Opfer der Panikreaktionen des
Schwimmers wird. Setzen Sie also immer zuerst eine so genannte Rettungskette in
Bewegung, delegieren Sie Aufgaben an andere Strandbesucher! Sorgen Sie mit anderen Helfern für
Alarmierung, sprechen Sie die Rettungsmassnahmen mit anderen
Strandbesuchern ab! Das heisst: Als Laienretter sollten Sie geübt
sein und nie - vor allem nicht im Meer mit drohenden Unterströmungen - ohne ein Hilfsmittel wie ein Boot oder einen
Auftriebskörper ins Wasser gehen.Falls Sie sich die Rettung nicht zutrauen, veranlassen Sie die Rettung durch andere Personen. Spielen Sie nicht den Helden! Beruhigen Sie den Gefährdeten und bringen Sie ihn nach Möglichkeit mit Stützung des Kinns an Land. Retten Sie - falls sich mehrere Personen in Not befinden - immer von "aussen nach innen". Beziehen Sie andere anwesende Personen in die weitere Versorgung mit ein. Ist die Person bewusstlos, überprüfen Sie Puls und Atmung, führen Sie falls erforderlich Herzdruckmassage und Mund-zu-Nase-Beatmung durch und alarmieren Sie einen Notarzt. Ist die Person bei Bewusstsein, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und wickeln Sie sie wegen der Gefahr der Unterkühlung in eine Decke. Auch in diesem Fall sollte ein Notarzt alarmiert werden. Notrufnummern in Deutschland und europäischen Ländern In Deutschland ist die 110 die Polizei, bei Rettungsdienst und Feuerwehr - der 112 -
gibt es Ausnahmen: Für Baden-Württemberg, Bayern (ohne München),
Rheinland-Pfalz und Saarland ist es die 19222. In Deutschland kann per Handy die 112 ohne Vorwahl gewählt werden - auch bei schlechtem Netz und ohne SIM-Karte - nur der Akku muss funktionieren. Ein Trick: An abgelegenen Stellen (einsame Badeseen) Handy ausschalten, wieder einschalten und 112 wählen - das Handy sucht sich dann das stärkste Netz. Das Servicecenter in Deutschland hat eine mobile und kostenlose Notrufnummer: 0800/6683663. Hierbei wird der Standort über das Handy lokalisiert: Helfer finden schneller zum Einsatzort. Die Situation in Europa: in den meisten Ländern kommt Hilfe unter 112 - aber nicht in allen. In der Schweiz ist die Polizei via Festnetz unter 117 zu erreichen, Unfälle unter 144. In Österreich kommt Hilfe unter 133 oder 144. Beim Handy erreicht man den Rettungsdienst in fast allen europäischen Ländern unter 112 - ohne Vorwahl. Tipp: Sich vor dem Urlaub beim Automobilclub über die jeweils gültigen Telefonnummern schlau machen und gleich auf dem Handy speichen. Bei einem Notruf beachten Sie immer die "Fünf Ws": Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wieviel Personen sind betroffen? Welche Verletzungen und Erkrankungen sind vorhanden? Warten Sie auf Rückfragen, bevor Sie das Gespräch benden. Die wichtigsten Tipps für Ihren sicheren Badeurlaub
1. Respektieren Sie das Meer, die Kraft und die Unberechenbarkeit des Wassers.
Das Meer weiß nicht, dass Sie gut schwimmen können. 2. Gehen Sie nicht allein schwimmen. 3. Am ersten Urlaubstag ist besondere Vorsicht geboten. Ruhen Sie sich nach beschwerlicher Autofahrt oder nach einem Flug erst aus, bevor Sie den Badespass genießen. 4. Schwimmen Sie möglichst nur an bewachten Badestellen und prüfen Sie vorher, wo es Möglichkeiten gibt, im Notfall Hilfe zu erhalten. 5. Bevor Sie schwimmen, machen Sie sich besser vorher mit Ihrem Strand oder dem Badesee vertraut. Fragen Sie - besonders in anderen Ländern - Einheimische, Hotelpersonal, Reiseleiter oder Rettungsschwimmer nach den Bedingungen und nach möglichen Gefahren. 6. Beachten Sie die Warnflaggensysteme und informieren Sie sich über ihre Bedeutung.
7. Bei "Roter Flagge" ist das Baden - auch bei ruhigem Wasser - lebensgefährlich,
weil Sie die Gefahren (etwa durch Unterströmungen) oft nicht erkennen
können. 8. Ausgelassene Ferienstimmung und zu viel Alkohol führen oft zur Überschätzung der eigenen Kräfte. Auch sollten Sie nicht mit vollem Magen ins Wasser gehen. Der Mensch wird nach dem Essen träge und es fehlt dann in kritischen Situationen die nötige Kraft. 9. Sie sollten nur ins Wasser gehen, wenn Sie sich gesund und fit fühlen. Das gilt besonders für Seniorinnen und Senioren. 10. Schwimmen Sie nicht zu weit raus und nur in abgeteilten Schwimmbereichen. Schon ein Krampf kann gefährlich sein, wenn Sie sich nirgendwo festhalten können oder keinen Grund unter den Füssen haben.
11. Wasser
übt auf fast alle Kinder eine magische Anziehungskraft aus. Lassen Sie
Ihre Kinder nie, erst recht nicht mit Luftmatratzen und Gummitieren
allein und ohne Aufsicht (auch nicht in Strandnähe) baden. Kinder verlieren
im Wasser schnell die Orientierung und können auch in knietiefem und
eigentlich ungefährlichem Wasser in lebensbedrohliche Situationen kommen.
12. Wenn Sie einen Schwimmer in Not sehen, sollte Sie nie ins Wasser gehen, bevor Sie eine Rettungskette (Notruf, Aufgabenverteilung) organisiert haben und nur dann, wenn Sie sich die Rettung körperlich zutrauen. Bringen Sie sich nicht in Gefahr und denken Sie unbedingt daran, einen Auftriebskörper (schwimmender Gegenstand) mitzunehmen. Diesen sollen Sie dem Schwimmer aus sicherer Entfernung zureichen und so eine Umklammerung vermeiden. Schwimmen Sie den Ertrinkenden von hinten an und retten Sie - wenn mehrere Personen in Not sind - von "aussen nach innen". Hinweis: Auch 2007 führen wir Vorträge,
Seminare und Schulungen zum Thema Badesicherheit in Deutschland und
Europa durch - für Kindergärten, Jugendgruppen, Seniorengruppen, Reiseveranstalter,
Reiseleiter, Bildungsträger und Kommunen. Nähere Informationen erhalten Sie auf dieser Seite. Bei Interesse senden Sie bitte ein Mail an . |
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