5. Erlebnisberichte
Barbara Jo-Ann Hüls, Stuttgart, Deutschland

Image Am 17. Juli 2001 habe ich zum 20. Mal meinen zweiten Geburtstag gefeiert. Vor 20 Jahren wäre ich "um ein Haar" ertrunken - auf Formentera (Spanien).

Ich machte Wellenhüpfen, hatte plötzlich keinen Boden mehr unter den Füssen und wurde ins Meer hinausgetrieben. Einige Männer, die im Wasser Ball spielten, entdeckten mich, einen umklammerte ich, er bekam Todesangst und warf mich in hohem Bogen in Richtung Strand. Meine Familie (mein Mann, meine kleine Tochter, damals 4 Jahre alt, meine Schwiegermutter) lagen am Strand und ich sah sie vom Meer aus und es schoss mir durch den Kopf "da liegt deine Familie ganz friedlich und merkt nicht, dass du hier ertrinkst." Mein Leben lief wie ein Kurzfilm ab. Ich kämpfte gegen die Wellen, merkte nicht mehr, was oben und unten war im Wasser. Machte den Mund zur falschen Zeit auf, um Luft zu holen und schluckte Wasser. Sah nur noch Wellen, Wellenwirbel und Himmel.

Mein Bikinioberteil hatte sich gelöst und mein Mann sah das. Er glaubte, die Männer hätten mich belästigt und schwamm sehr rasch auf mich zu - er ist zum Lebensretter ausgebildet. Als mein Mann bei mir im Wasser angelangt war, sah ich aschgrau aus und hatte weit aufgerissene Augen, Todesangst (das hat er mir dann später erzählt). Ich wusste schon nicht mehr, ob ich Luft atme oder ob ich Wasser schlucke. Er erkannte die Situation und versuchte, mit mir gen Land zu schwimmen. Wir schafften es nicht!

Am Strand entdeckte ein aufmerksamer Beobachter unsere aussichtslose Situation; er liess 16 (!) Personen eine Kette bilden - alle hielten sich an den Händen fest - so wurden wir an Land geschleust. Ich war bewusstlos, aber ich lebte. Natürlich hatte uns niemand vor der Gefährlichkeit der Unterströmung dort gewarnt.

Abends in Es Pujols bei den "Tres Ermanos" sprachen wir darüber. Diese drei Fischer kannten die Situation und wussten auch, dass jedes Jahr viele den Tod des Ertrinkens sterben. Dort bin ich nie mehr ins Wasser gegangen! Wochenlang hatte ich Tag und Nacht Alpträume von diesem Ereignis, es war fürchterlich und es ist wirklich an der Zeit, etwas zu tun!


Kathryn T. Graham, USA

Image Vor 7 Jahren war ich in Wrightsville Beach, North Carolina und ein Hurrikan blies die Küste hoch. Das war der Tag, bevor der Strand evakuiert wurde, da Cape Fear (das Kap der Angst) genau auf der Bahn des Hurrikan-Auges lag. Der Wellengang war höher als normal, aber man konnte noch immer gut schwimmen. Ich bin am Meer aufgewachsen und fühle mich völlig angstfrei im Wasser. Ich kenne mich mit Rip-Strömungen aus und hatte Gott sei Dank gelernt, wie ich mich verhalten muss, wenn ich mal in solch eine Strömung gerate.

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen beim Schwimmen im Ozean ist, unter die Brecher zu tauchen und dann über die Wellen zu gleiten.  An diesem Nachmittag tauchte ich unter eine Welle, genauso wie ich das schon tausendmal gemacht hatte. Aber als ich dann über meine Schulter zurück zum Ufer sah, war ich plötzlich schon ganz weit draußen. Ich wusste sofort, was passiert war. Ich versuchte, parallel zum Ufer zu schwimmen, aber ich war in einer sehr starken Strömung und fing schon bald an zu ermüden.

Dann brach eine Welle über meinem Kopf und ich merkte, wie Panik in mir aufkam. Ich weiß, dass Panik in dieser Situation das Schlimmste ist, was einem passieren kann, also ließ ich mich treiben und trat für ein paar Minuten Wasser, um wieder Atem zu kriegen und die Muskeln zu entspannen. Ich konnte sehen, wie meine Familie am Strand versuchte, mich im Wasser zu entdecken, aber die Wellen waren so hoch, so dass sie nicht sehen konnten, wie ich ihnen zuwinkte. Dann sah ich aufs Meer raus, damit ich nicht wieder von großen Brechern überrascht würde, und entdeckte ein paar Surfer nur ein wenig weiter raus.

Es war mir sofort klar, dass es für mich besser war, in Richtung Surfer zu schwimmen, als zu versuchen, zurück an den Strand zu gelangen. Ich erzählte ihnen, was passiert war und fragte, ob einer von ihnen sein Surfboard mit mir teilen würde, um zusammen zurück ans Ufer zu paddeln. Und natürlich tat einer von ihnen das.

Nur mit vereinten Kräften konnten wir weit genug von der Strömung weg kommen, dass wir wieder Richtung Strand paddeln konnten.

Ich bin so froh, dass ich genug über Strömungen wusste und verstand, was passierte; dass ich nicht in Panik geriet und mich rational aus der schwierigen Situation zu retten wusste. Jedes Kind, das im Meer schwimmt, sollte mit diesem Wissen ausgerüstet werden. Nur so wird es weiter "Lebens"-Geschichten geben ... und nicht mehr Todesstatistiken.

Ich lieben weiterhin das Meer und schwimme, wann immer ich die Gelegenheit bekomme.


Christine Weiß, Erlangen, Deutschland

Image Am Samstag, den 25. März 2006, badeten mein Partner und ich am späten Nachmittag (ca. 17.15 Uhr) am Strand El Socorro, westlich von Puerto de la Cruz (Teneriffa, Kanarische Inseln, Spanien). Wir sahen keine warnende rote Fahne. Die Strandwache war, wie wir im Nachhinein erfahren haben, nicht mehr besetzt. In der Brandung vergnügten sich viele Erwachsene und Kinder, weiter draußen übten mehrere Wellenreiter ihren Sport aus. Als wir, nach dem Durchschwimmen der Brandung, schon einige Zeit die Wellen genossen hatten, kam einer der spanischen Wellenreiter auf uns zu, warnte uns vor der Strömung und forderte uns auf, sofort zurück zu schwimmen.

Erst da bemerkten wir mit Entsetzen, wie weit wir schon von der Küste entfernt waren. Unter Aufbietung all unserer Kräfte versuchten wir, zurück zu schwimmen. Es war und beiden aber völlig unmöglich, gegen die Strömung anzukommen, obwohl wir beide gute Schwimmer sind. Der junge Mann, der uns gewarnt hatte, kam zurück, als er uns vergeblich kämpfen sah und rief noch einen Freund herbei. Beide versuchten, uns zu helfen und setzten dabei alle Kräfte ein. Mein Retter holte noch zwei weitere Sportler zu Hilfe, nachdem klar war, daß er mir allein auch nicht hätte helfen können. Mit vereinten Kräften halfen mir die drei jungen Männer, an Land zu kommen. Mein Partner hatte sich bereits mit Hilfe des vierten Spaniers in Sicherheit bringen können. Wie betäubt, geschockt und voller Schürfwunden und Prellungen saßen wir lange auf den Felsen, während uns unsere Retter schon wieder verlassen hatten. Als wir wieder klarer denken konnten, wollten wir unseren Rettern danken. Uns fiel in dem Moment nur ein, ihnen unser gesamtes Bargeld zu geben, was wir auch taten.

Am nächsten Tag fuhren wir abends nochmal an den Strand, um die 4 zu finden und ihnen nochmals mit einem größeren Geldbetrag zu danken. Außerdem wollten wir ihre Namen erfahren, um sie öffentlich für ihr selbstloses Handeln bekannt zu machen und ihnen dadurch Anerkennung zu verschaffen. Leider trafen wir sie an diesem und am darauffolgenden Tag nicht mehr an und mußten dann zurückfliegen. So blieb uns nur übrig, auf diesem Weg von den vier jungen spanischen Helden zu berichten, ihnen nochmals zu danken und zu hoffen, daß dieser Dank sie in irgendeiner Weise vielleicht doch noch erreichen kann.


Toni Quinn, USA

Image Es war im Frühherbst 2002 und ich ich war zum Wochenende mit meinem Mann, meiner Schwester und ihrem Freund in Golfshores Alabama. Es war unser erster Nachmittag, und da ich wusste, wie stark die Strömungen dort sind, ging ich nicht ins Wasser. Meine Schwester hatte allerdings was anderes im Sinn. Völlig unbeschwert und sich der Gefahren nicht bewusst, stürzte sie sich ins Wasser und ihr Freund gleich hinterher. Als ich merkte, dass sie im Wasser war, ging ich sofort zum Strand, aber sie war schon ein gutes Stück hinausgetrieben und ihr Freund versuchte, wieder ans Ufer zurückzuschwimmen. Ich sprang ins Wasser, um ihr zu helfen, aber die Strömung ergriff mich sofort und schon bald hatte ich keinen Grund mehr unter den Füßen.

Das Wasser war vielleicht 1.30 m tief, als es passierte. Vergeblich griff ich nach meiner Schwester, die verzweifelt versuchte, Richtung Strand zu schwimmen. Mein Mann zog mich aus der Strömung und ich rannte sofort los, um mehr Hilfe zu holen. Es brauchte 4 starke Männer, meine Schwester in Sicherheit zu ziehen.

Ich hatte noch nie so ein Gefühl des Terrors erlebt, wie an jenem Tag. Und dabei wusste ich, dass ich in solch einer Situation seitwärts schwimmen mußte, um mich zu retten! Aber in meiner Angst, dass ich oder meine Schwester ertrinken könnten, war in dem Moment alles Wissen wie weggeblasen.

Meine Schwester hat seitdem einen gesunden Respekt vor Wasser. Und ich bin seit dem Tag nie wieder ins Meer gegangen!

Übrigens: wir sind beide Anfang 40 und können beide schwimmen. Dies kann jedem passieren und die beste Überlebenschance hat man, wenn man sich der Gefahren bewusst ist.



Thomas Birker, Remscheid, Deutschland

Image Vor 2 Jahren habe ich auf Formentera (Spanien) einer Mutter von 2 Kindern das Leben gerettet und wäre fast noch mit abgesoffen. Sie trieb etwa 300 Meter entfernt vom Strand und schrie um Hilfe. Kein Schwein, und das sage ich auch in Bezug auf die Strandaufsicht, auch nicht die anderen Gäste haben darauf reagiert. Ich war in Ihrer Nähe, aber ausserhalb der Strömung und bin direkt los. Gott sei dank ist keiner von uns in Panik geraten. Wir haben aber gemerkt, wie die Strömung uns an den Füssen nach hinten zog und dass wir gar nichts mehr machen können. Ich habe nur noch gedacht: "Scheisse, was passiert denn jetzt, wars das.....". So etwa 300 Meter sind wir parallel den Strand entlang getrieben, bis meine Zehenspitzen auf einer Sandbank hängen geblieben sind. So konnte ich Kraft tanken, das hat uns das Leben gerettet.

Ihr Mann stand dann am Strand, hat auf uns gewartet und, anstatt uns entgegen zu kommen und seiner entkräfteten Frau zu helfen, hat er sie erst mal kräftig zusammengeschissen. Ein müdes Danke, das wars. Ich sass da erst mal 2 Stunden alleine mit meinen Gedanken, bis meine Freunde auftauchten. Stinksauer war ich dann und habe die Frau gefragt, ob alles in Ordnung wäre, ihren Mann, ob er uns nicht gesehen und warum er uns nicht geholfen hätte? "Ja, aber bla bla bla..." Sie sassen später noch am Strand, aber, noch mal darauf angesprochen, geschweige denn mal ein Bier ausgegeben, is nicht. Die Geschichte kennen nur meine besten Freunde, noch nicht mal meine Eltern. Später erfuhr ich noch, dass die Frau gar nicht mehr wusste, wie sie aus dem Wasser gekommen ist. Ich weiss aber noch alles. Vor allem meide ich die Felsen an dieser Stelle, da, sagte man mir, sei die Strömung besonders heftig.



Dawn Scurlock, Florida, USA

Image Mein Sohn Joshua Scurlock ertrank, als er mit einem Freund in der Nähe des Patrick Luftwaffenstützpunktes in Florida schwimmen war. Er war 19 Jahre alt. Sein Freund mußte hilflos zusehen, wie er ertrank. Joshua kämpfte gegen die Strömung und mußte schließlich völlig erschöpft aufgeben.

Ich sage seinem Freund immer wieder, dass es richtig von ihm war, am Ufer zu bleiben und Hilfe zu holen. Aber natürlich hat er große Schuldgefühle, weil er nicht zurück ins Wasser gegangen ist und seinen Freund gerettet hat. Aber das hätte er gar nicht schaffen können. Statt dessen hat er völlig richtig gehandelt: er hat um Hilfe gerufen.

Ein erfahrener Surfer kam gerade aus dem Wasser, da ihm der Wellengang zu rau war. Er hat sein eigenes Leben riskiert, um meinen Sohn zu retten. Mit letzter Kraft hat er meinen Sohn noch aufs Surfbrett gehievt und hat dann das Brett an den Strand manövriert. Er versuchte, meinen Sohn wiederzubeleben und nach wenigen Sekunden waren auch schon Lebensretter zur Stelle.

Ich weiß nicht, wie lange mein Sohn schon im Wasser gewesen war, aber ich kann mir vorstellen, wie schwierig es für den Surfer war, gegen die Strömung kämpfen, um Joshua zu erreichen. Er war schon ertrunken, als der Surfer seinen leblosen Körper erreichte.

Ich denke Gott jeden Tag für diesen Surfer, denn er hat Joshuas Körper zurückgebracht. Ohne ihn währe Joshua aufs Meer hinausgetrieben und wir hätten ihm kein richtiges Begräbnis geben können.

Josh wuchs in Indiana auf und wir waren oft in Florida. Am 1. September 2004 zog Josh in sein Traum-Apartment in Cape Carnveral. Am 13. November 2004 war er tot. Er hatte sich einen Traum erfüllt: er wohnte 5 Blocks vom Strand entfernt, wo er jeden Tag die Schönheit des Meeres genießen konnte. Er liebte das Wasser und er war ein ausgezeichneter Schwimmer. Aber da er weit weg vom Ozean aufwuchs, wusste er leider nichts über Rip-Strömungen.

Ich mache jetzt hier in Indiana aktive Aufklärungsarbeit über Rip-Strömungen, so dass nicht noch jemand sein Leben verliert. Angeblich sind mehr als die Hälfte der Todesopfer aus dem Mittleren Westen. Um so mehr müssen die Menschen hier aufgeklärt werden. Jeder sollte wissen, wie man sich aus solch einer Strömung rettet.

Hier in Indiana klären wir Kinder auf, wie man sich in einem Wirbelsturm verhält, weil wir so viele davon hier haben. Warum informieren wir sie nicht auch über Rip-Strömungen? Weil wir hier kein Wasser haben? Ich jedenfalls tue meinen Teil, auch wenn ich nicht alle Lösungen für das Problem habe. Die Menschen hier wissen noch nicht einmal, was eine Rip-Strömung ist, ganz zu schwiegen davon, wie man sich aus einer rettet.

Ich fange in den High Schools zur Zeit der Osterferien an. Die Kinder fahren im Urlaub alle an den Strand und sie können die Story meines Sohnes verstehen: ihnen kann das selbe passieren. Ich will den gesamten Mittleren Westen durch die High Schools erreichen.

John Lane, der Surfer, der sein Leben riskiert, hat um mir den Körper meines Sohnes zurück zu bringen, machte mir ein wunderbares Geschenk: ich konnte noch ein letztes mal meinem Sohn Auf Wiedersehen sagen und ihn küssen.

Helfen Sie mir in meiner Aufklärungsarbeit. Erzählen Sie allen über Rip-Strömungen und deren Gefahren. Egal, wo Sie leben. Ich wünsche mir, dass niemand so noch einmal Abschied nehmen muss.

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