Im vergangenen Jahr testete Blausand.de an einen heissen Junitag die Sicherheit an 11 Bremer
Badeseen. Das Ergebnis war erschreckend. Zwei Badeseen wurden als zufriedenstellend, acht Badeseen als problematisch und
ein Badesee sogar als gefährlich eingestuft. Besonders riskant: bei den DLRG-Rufnummern auf allen
Hinweisschildern fehlt die notwendige Vorwahl. Nach Medienberichten ist
es wegen dieser Unzulänglichkeit bereits zu Verzögerungen in der
Alarmierung mit tödlichen Folgen gekommen. Die Rettungsstation am
beliebten Unisee befindet sich ausgerechnet dort, wo kein Mensch badet.
Damit genug Zeit für Verbesserungen bleibt, hat Blausand.de Anfang Januar 2008 den folgenden offenen Brief an den zuständigen Bremer Innensenator Willi Lemke gerichtet.
Der Senator für Inneres und Sport
Herrn Willi Lemke
Contrescarpe 22/24
28203 Bremen
Bremen, den 14. Januar 2008
Sicherheit an den Bremer Badeseen
Sehr geehrter Herr Senator Lemke,
die Organisation für Badesicherheit in Europa, Blausand.de, hat im Juni 2007
insgesamt 11 Bremer Badeseen auf Badesicherheit überprüft. Die detaillierten
Testergebnisse haben wir diesem Schreiben beigefügt.
Zwei
Badeseen (Grambker See, Rottkuhle) wurden als zufriedenstellend, acht Badeseen
(Achterdieksee, Bultensee, Badestrand am Café Sand, Werdersee, Grambker
Sportparksee, Mahndorfer See, Sodenmattsee, Waller Feldmarksee) als
problematisch und ein Badesee (Stadtwaldsee / Unisee) als gefährlich eingestuft
Blausand.de möchte in Hinblick auf die diesjährige Badesaison auf die kritische
Situation aufmerksam machen und Sie bitten, sich als Senator für Inneres und
Sport für die Verbesserung der zum Teil risikoreichen Bedingungen für die
Sicherheit an Bremens Badeseen einzusetzen.
Aus der Sicht unserer Organisation ergeben sich die vier folgenden Prioritäten:
Bei gutem Badewetter werden die DLRG-Stationen innerhalb der Woche vor und nach
den Bremer Schulferien (10. Juli bis 20. August 2008) auch in diesem Jahr
vermutlich nicht mit einer während der Schulferien möglichen Personalstärke besetzt werden können.
Da aber auch an diesen Tagen (besonders in den Nachmittagsstunden) von starker
Frequentierung der Badeseen auszugehen ist, empfehlen wir dringend, die
Stationen bei entsprechendem Badewetter und stärkerer Frequentierung mit
mindestens einer Wachperson besetzen zu lassen, die primär eine
Beobachtungsfunktion wahrnimmt, im Notfall die Rettungskette auslösen und
gegebenenfalls auch als Ersthelfer zur Verfügung stehen kann. Wir verweisen in
diesem Zusammenhang auf die Schilderung von Unfällen in beiliegendem
Testbericht.
Die DLRG-Rufnummern auf den Informationstafeln müssen durch die Vorwahl 0421 ergänzt werden und Alarmierungen in den Zeiten von
nicht besetzten DLRG-Stationen an die Feuerwehr (112) weitergeschaltet werden
können. Falls dies nicht möglich ist, müssen die DLRG-Nummern nach unserer
Auffassung von den Tafeln entfernt werden. Wir verweisen in diesem Zusammenhang
auf den im Blausand.de-Report angesprochenen Todesfall am Unisee im Juni 2007.
Anrufbeantworter in den DLRG-Stationen reichen keinesfalls aus, weil sie die
Alarmierung verzögern würden.
Die DLRG-Station am Unisee befindet sich in relativ großer Entfernung zu Bremens stark frequentiertem Strandabschnitt,
dem FKK-Strand. Um dem Risiko verzögerter Alarmmeldungen entgegenzutreten,
sollte der DLRG-Wachturm am FKK-Strandabschnitt bei Badewetter und starker
Frequentierung von einem Alarmmelder und Ersthelfer besetzt werden – auch
außerhalb der Schulferien und innerhalb der Woche. In den letzten Jahren war
der Turm nach unseren Beobachtungen nie besetzt. Gelegentliche
Beobachtungsfahrten der DLRG vor dem FKK-Strand halten wir für nicht
ausreichend.
Am Testtag im letzten Jahr (11. Juni 2007) haben wir an einigen Badeseen einen starken Pflanzenbewuchs festgestellt.
Die Folge: Badende können die Stationen schlecht erkennen und nicht oder
schlecht feststellen, ob diese bewacht sind.
Falls die Stationen besetzt wären, können Beobachter und Wasserretter die Bade-
und Schwimmbereiche zum Teil schlecht einsehen. Auch der starke Pflanzenbewuchs
unter Wasser stellt für Badende und Schwimmer eine erhebliche Gefahr dar. Aus genannten
Gründen empfehlen wir dringend, spätestens zu Beginn der Badesaison 2008 durch
Entfernen der Sichtbehinderungen eine freie Sicht auf Rettungsstationen
und auf die Bade- und Schwimmbereiche herstellen zu lassen.
Für weitere Informationen stehen wir zur Verfügung und bitten Sie, durch Umsetzung
der genannten Maßnahmen die Voraussetzung für einen weitestgehend sicheren
Bremer Badesommer 2008 zu schaffen.
Mit freundlichen Grüßen
Rolf Lüke
Blausand.de
Organisation für Badesicherheit in Europa
Aktionen gegen das Ertrinken
Anlagen:
Blausand.de-Report „Sicherheit an Bremens Badeseen“ (Juni 2007)
Blausand.de-Report „Bessere Lösungen gegen das Ertrinken (Januar 2008)
Eine Kopie dieses Schreibens erhalten:
DLRG, Landesverband Bremen, Herrn Dr. Bernt Schulte
DLRG, Bezirk Bremen-Stadt, Herrn Dr. Ulrich Hackmack Feuerwehr Bremen, Herrn Karl-Heinz Knorr Bremer Bäder GmbH, Herrn Dirk Schumaier Landestauchsport-Verband, Herr Andreas Wedemeyer
Landesschwimmverband Bremen
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