| Making of "100 EACH DAY" gegen das Ertrinken |
Wir haben einen Blue-Body am Weserdeich in Bremen mit Erfolg eingefärbt,
die Aktionsgenehmigung für die Formentera-Strände Illetas oder Mitjorn
vom Ajutament der kleinen Pitiüseninsel erhalten. Unsere Befürchtungen, die Genehmigung könne wegen des Themas Ertrinken auf Formentera verweigert werden, erwiesen sich zum Glück als unbegründet. Wir haben wasserlösliche Farbe, Lebensmitteltheaterschminke für 100 Körper auf der
Insel, Schwämme zum Blautupfen und Tücher für die Glanzeffekte. Und 50 feste Anmeldungen von Leuten, die sich gegen das Ertrinken engagieren wollen. Noch 2 Tage. Wir brauchen noch mindestens 50, zur Sicherheit möglichst
60 oder 70 Leute. Überall in Insel-Restaurants, Hotels, Geschäften liegen
Postkarten zur Aktion, hängen dreisprachige Poster. Wir gehen von Strandbesucher zu Strandbesucher. Es hat keinen Zweck, die Karten einfach so zu
verteilen. Wir erklären die Aktion, beschreiben den Hintergrund. "Eine Woche Urlaub, ich will keine Stunde davon arbeiten" begründet eine junge
schweizer Frau ihre Absage. Zwei Deutsche treffen wir am Strand. Beide waren damals dabei, 1999, im
September, als Beate ertrank. Genau da, wo beide jetzt liegen. Auch Brigitte, Sabine und Michael sind auf der Insel. Im Juni 2007 starb Liam, der Ehemann und Vater, in der Türkei. Vor den Augen von Brigitte, nur wenige Meter von ihr entfernt. In zwei Tagen lassen sie sich blau anmalen. Der Wetterbericht für Donnerstag stimmt uns optimistisch. Das 100 EACH DAY-Team ist komplett! Aus Köln kommt Carmen hinzu. Gibt es Zufälle im Leben? Carmens Sohn Max hat am Pfingstsonntag einen Jungen aus
einer Talsperre in Deutschland vor dem sicheren Ertrinken gerettet. Zeitungsausschnitte machen die Runde. Carmen ist stolz
auf die Heldentat von Max, dem Lebensretter.
Am Kreisverkehr des Ortes San Francisco liegt ein verletzter Inselhund. Weil die Tierärztin es ablehnt, trotz unserer Kostenzusage zum Unfallort
zu kommen, folgen wir Ihrer etwas seltsamen Empfehlung und rufen die 112
auf Palma de Mallorca an, wollen den Rettungsdienst, der die Einsätze
auf den Balearen koordiniert und angeblich rund um die Uhr mehrsprachige
Hilfe anbietet, um Hilfe bitten. 4 Versuche scheitern, weil wir
weitergeleitet werden und in der Leitung "verhungern". Es ist gerade mal 22 Uhr. In einer
Notsituation auf der Strasse, am Strand, in unserer Ferienwohnung wären wir
schlecht dran gewesen.
Noch 1 Tag. Am Platja Mitjorn weht die Rote Flagge und trotz Beobachtung
durch Giacciomo und seine socorristas gehen die Urlauber ins Wasser und
haben ihren Spass in den hohen Wellen. Formentera am 21. Mai 2008 ist vergleichsweise leer. "Noch vor einigen Jahren", sagt Familienvater Martin aus Hamburg, "hab ich hier 3 Wochen Urlaub gemacht, heute 10 Tage". Für uns schiesst das Restaurant Es Arenals den Vogel ab: eine Kaffeetasse Gazpacho, ohne Einlage, 7,50 Euro. Die Fotos und der Film sollen aus der Luft entstehen und heute soll der
Test für den Kran mit der Plattform, die über dem Wasser stehen soll,
für Martin und Andreas stattfinden. Als die ersten Autos wieder
zurückkommen, ahne ich, dass der LKW Probleme hat. Er kann nicht durch die engen Wege zum Strand kommen. Wir machen den Weg für den LKW frei, entfernen Zweige. Endlich hat der Wagen mit der Hebebühne den Strand, den Felsen am Piratabus erreicht. Dull dirgiert ihn auf den Felsen über dem Strandabschnitt.Zur vorabendlichen Registrierung erscheinen viele Freunde aus Deutschland und Spanien, unter anderem der alte und der neue Bürgermeister, der heute Inselratspräsident heisst. Ich bin stolz, dass Isidoro Torres und Jaume Ferrer meiner Einladung gefolgt sind. Ein Ansichtskartenproduzent aus Barcelona schiesst mit einer riesigen
Kamera serienweise Leute ab, die sich gerade mit blauer Farbe anziehen.
Ich spüre: die inzwischen 94 freiwilligen Frauen, Kinder und Männer von
4 bis 70 aus 6 Ländern wären jetzt lieber ohne Beobachtung. Meine Bitte, keine Fotos zu machen, verhallt in den Wellen.
Um 16 Uhr sind es genau 100 Leute, die mitmachen wollen, da sind, blau angemalt sind. Der Korb steht zum Abheben auf dem Piratabus-Felsen. Was soll jetzt noch schief gehen? Ich sehe strahlende Gesichter, wie ich sie an diesem Platz noch nie gesehen habe, genauso sollte es sein: Eine
fröhliche Aktion für eine gute Sache. Unser Team gibt Hinweise für
die letzten Maltipps, Edith übersetzt ins Spanische. Jetzt kann die Installation endlich beginnen. Martin lässt sich mit dem Korb über die Brandung hieven. Ich kann ihn wegen der lauten Wellen kaum verstehen. Sabine, Carmen, Dull und Claudia legen die Blue-People an ihren Platz, färben die noch weissen Stellen unter den Füssen, die Augen, die Haare ein. Immer wieder laufen Unbeteiligte über den Strandabschnitt. Die Zeit des Shootings ist begrenzt, das wissen wir. Oben im Bild am Strand liegen
Badeklamotten, stehen Sonnenschirme. Irgendwann räumen wir sie zur
Seite. Bitten immer wieder, den Felsen im Bildhintergrund zu verlassen.
Und irgendwann müssen wir die Location räumen. Können 100 Freiwillige, auf die es jetzt ankommt, auch über
unser Megaphon nicht mehr erreichen. Nach 10 Minuten bewegen sich die
ersten und wir können nur hoffen, dass Martin und Andreas ihre Bilder haben.
"Noch 2 Minuten", funkt Martin oben aus dem bedenklich wackelnden Korb über den Wellen. Es werden lange zwei Minuten. Wenn 2 oder 3 von 100 Freiwilligen jetzt aufstehen, werden die anderen folgen. Und das Shooting wäre endgültig vorbei. Endlich: Martin und Andreas haben alles im Kasten. Wir laufen auf 100 Leute zu, klatschen, bedanken uns. Das Echo von 100 Blauen ist phantastisch. Einige laufen ins Wasser mit gewöhnungsbedürftigen 19 Grad, egal! Endlich wieder Bewegung, die Farbe soll weg. Geschafft! Erst mal ein San Miguel, durchatmen, Befreiung. Später werden Blue-People auf Fahrrädern gesehen. Sind das Marsmenschen oder Aborigines? Später bei der After Shooting Party im Piratabus Zic Zak in der Partymeile gibt es Bilder und Filme von blauen Menschen. Wie ist die Farbe abgegangen? "Allein unter der Dusche war es schwierig". Es ist Sonntag, 25. Mai 2008. Kurze 22 Minuten sitze mit ich mit Ulla und ihrer Tochter, die auch
unter den 100 Blue-People waren, in der Air Berlin von Ibiza nach
Mallorca. Genau hier ist Ullas Vater vor 5 Jahren ertrunken, am ersten Urlaubstag, und ich frage mich, was Mutter und Tochter in diesem Moment empfinden. Auch heute sind in Europa 100 Menschen ertrunken. Jeden Tag. © Rolf Lüke 2008 100 EACH DAY Team:Dull Hermann, Claudia Popp, Sabine Zander, Carmen Maria Friedrich, Rolf Lüke. Nicht im Bild: Martin Herrmann, Andreas Schumacher, Maxx Bernhardt. 100 EACH DAY Helping Friends: Manuela Bortolazzi, Vicente Escandell, Markus Loffelsend, Johannes Schultz, Edith Schneck, Anke Firlefanz, Jaume Ferrer, Josep Mayans, Paul Ring, Jürgen Bushe, Werner Hermes, Ekkhard Hoffmann, Isidoro Torres, Hildegard Kleser, Susanne Petermann, Ronald Schmid, Erwin Liauw, Wolfgang Rathgeber, Monica Steinbach, Knut und Anke Terjung, Lars van Felsen, Michaela Zeng, Kerstin Petersson, Martin von Essen. Reaktionen: Gratulation zu Eurer genialen Aktion. Bunte Grüße Michaela Zeng, Bodypainterin, Lampertheim, www.farbtraeume.com Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen für die tadellose Organisation (war vor Ort nicht immer einfach mit dem "wilden, blauen Haufen" und den neugierigen Leuten rundherum) zu danken. Wir waren aus der Schweiz zu zweit dabei; im Wissen, etwas Gutes zu tun, hat es uns Riesenspass gemacht. Walter Müller, Schweiz Nochmals muss ich dir sagen, dass du da einen großartigen Event geschaffen hast. Da wird man noch lange auf Formentera darüber erzählen. Was 100 blaue Menschen doch bewirken können!! Danke, dass ich daran teilnehmen durfte. Das war eines der tollsten Erlebnisse, das ich je auf der Insel hatte. Nun magst du sagen, so einfach ist das, Menschen zu begeistern. - Es sind immer die einfachen Dinge, die uns begeistern. Man muss sie nur entfachen und zum Bewusstsein bringen. Das ist dir perfekt gelungen! Johannes Schultz, München, www.lariada.de Gratulation auch zum Spiegel-Artikel. Ich war während der Aktion in Katalonien und kann Sie nur beglückwünschen, dass sie sogar Glück mit dem Wetter hatten! Thomas Schröder, Michael Müller Verlag, www.thomas-schroeder.de Das war ja ein Knaller ! Herzlichen Glückwunsch. Knut Terjung, Hamburg Herzlichen Glückwunsch! toll! Habe eine Gänsehaut bekommen beim Durchlesen! Deine Schwester wäre mit Sicherheit sehr stolz auf dich. Danke für dein Engagement. Erwin Liauw, Bremen Vielen Dank! Ich mach gerne mal wieder bei so etwas mit!! Coole Aktion!! Elise Otto Tolles Projekt. Habe dieses auf meinen Blog gesetzt. www.switchtv.de Wolfgang Rathgeber, Bonn Sponsoren: TUI Deutschland, Kryolan, Piratabus, Air Berlin, Michael Müller Verlag. Links: "Baden bis zum Blauwerden": 100 EACH DAY auf spiegel.de Webseite der Strandbude "Piratabus" mit über 200 Fotos der Aktion "100 EACH DAY" - Presseinformation Blausand.de - Forderungen für mehr Badesicherheit in Europa © Blausand.de 2008. Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. |
| < Zurück | Weiter > |
|---|