Rip-Strömungen an den Stränden in Europa
sind die gefährlichsten Ursachen für Badeunfälle und für den
Ertrinkungstod beim Badespass. Die "unsichtbaren
Killer" können urplötzlich, überall und zu jeder Jahreszeit auftreten.
Panikreaktionen sind dann oft vorprogrammiert. Achtzig Prozent aller Rettungseinsätze am Meer
erfolgen wegen Rip-Strömungen. Die Gefahren werden durch Kommunen, Hotels und Veranstalter allzu oft
"totgeschwiegen" und die ahnungslosen Urlauber an Badestränden
Europas viel zu selten über diese Gefahren informiert.
Blausand.de klärt Sie auf. Wie entstehen Rip-Strömungen? Wie können Sie
sich schützen? Und: Wie kommen Sie aus einer Strömung mit heiler Haut
heraus?
Bis
vor einigen Jahren gab es auf der kleinen Baleareninsel Formentera noch
keine Rettungsschwimmer. Antonio, der sich in der Bucht von Es Arenals
um die Strandliegen kümmert, hatte immer wieder versucht,
die "bekloppten Touristen" vor den Rip-Strömungen zu warnen. Er drehte seine Hände vom Strand aus in Richtung Wasser.
Genutzt hat es zu oft nichts. "Die Leute sind verrückt und
leichtsinnig", sagt Antonio, "wenn mehr als einer ins Wasser geht,
kommen hundert andere hinterher. Einer von uns würde hier nie
schwimmen."
Antonio
und seine einheimischen Freunde sind Experten für Rip-Strömungen,
die in den 90er Jahren die meisten der mindestens fünfzig Ertrinkungsunfälle
hautnah miterleben mussten. Es Arenals an der Südküste Formenteras
ist ein paradiesischer Strandabschnitt mit Buhnen, einer vorgelagerten Sandbank,
schönen Felsen und mit häufigen auflandigen Winden.
Der gefährliche
Effekt: Der Wind bringt die Wassermassen auf den Strand, die beim Zurückfliessen
ins Meer von den "Schikanen" wie Felsen und Buhnen abgelenkt
werden und sich auf kleinstem Raum ihre eigenen Wege suchen, ihre
eigene unsichtbare Energie entwickeln. Bis 150 Meter vor dem Strand, hier
fliessen die Massen dann wieder zurück und entwickeln ihr eigenes
Chaos, unerkannt von den arglosen Urlaubern, oft ohne Folgen, manchmal
als todbringende Naturgewalt.
Es Arenals ist nicht nur Formentera. Es Arenals ist Mallorca,
Griechenland, Türkei. Rip-Strömungen wirken an vielen der zigtausend
Urlaubsstrände in Europa, an denen Millionen von Urlaubern ihren
sorglosen Urlaub verbringen - die meisten von ihnen sind nichtsahnend.
Der Grund: Unterströmungen sieht man nicht.
Anzeichen
harmloserer Art sind eigentlich bekannt. Es gibt wenig Mittelmeer-
und Atlantikurlauber, die es noch nicht erlebt haben: Du schwimmst und
wunderst dich plötzlich, dass du ganz woanders bist. Du stehst im
Meer, plötzlich werden dir die Beine weggezogen. Natürlich geht
es gut, du kannst ja gut schwimmen. Und wenn es gefährlich wäre,
hättest du es erfahren.
Ahnungslosigkeit von Urlaubern und die Unberechenbarkeit des
Meeres sind nach Aussage von Rettungsexperten der Grund für acht von
zehn weltweiten Rettungseinsätzen im Meer. Und tragischerweise auch
die Ursache für die meisten Todesfälle.
Rip-Strömungen
sind Killer, die sich still und unsichtbar heranpirschen, die stark genug
sind, gute oder unerfahrene Schwimmer ins Meer zu ziehen, bei ihnen Panik
und Ermüdung verursachen und ihr Leben bedrohen.
Rip-Strömungen
verändern blitzschnell ihre Richtung, werden urplötzlich schneller,
sind aber genauso schnell wieder verschwunden. Wenn konditionelle Probleme,
Alkohol und - wie an den meisten Stränden in Europa - fehlendes Rettungspersonal
hinzukommen, stehen die Chancen, zu überleben, nicht besonders gut.
Die
Gründe und die Vorhersagen
Eine
Rip-Strömung entsteht dann, wenn entgegengesetzte Wasserströme
aufeinandertreffen und sich - logischerweise - den einfachsten Weg zurück
ins Meer suchen. Solange diese Wasserbewegungen an einem flach abfallenden
Strand ohne Hindernisse wie Buhnen, Sandbänke, Felsen und Inseln
geschehen und nicht von Wind und Wellen beeinflusst werden,
sind die Wasserläufe einigermassen berechenbar, die Gefahr ist gering.
Das
Problem beginnt, wenn diese Ströme beim auflaufenden und abfliessenden
Wasser durch Hindernisse vielfältiger Art "abgelenkt" werden
- die Wassermengen müssen sich "einigen". All
diese Irritationen spielen sich unter Wasser ab und können von unserem
Auge nicht oder nur unzureichend wahrgenommen werden, ein Dilemma: Die
Wasseroberfläche eignet sich schlecht als Spiegelbild der nicht sichtbaren
und lebensgefährlichen Bewegungen.
Die
Forscher - besonders in den Vereinigten Staaten, besonders
in Florida - bemühen sich seit Jahren, den Phänomenen der Rip-Strömungen
auf den Grund zu gehen und mehr Prävention in Form von Vorhersagen
zu ermöglichen.
Die Gründe für die bisher mageren Ergebnissse
liegen auf der Hand. Im Gegensatz etwa zu Wettervorhersagen wird das Entstehen
von Rip-Strömungen durch eine komplexe Mischung aus vielen einzelnen
Faktoren bestimmt. Weltweit haben jeder Strand, jede Bucht, jeder See ihren
eigenen "morphologischen Abdruck", sind einzigartig. Jeder Strandboden
ist anders. Jede Klippe erzeugt eine eigene Reaktion. Wind und Wellen tragen
ihren Teil
zur schwierigen Einschätzung bei.
Das
Meer hat seine eigenen Gesetze, die schwer zu durchschauen sind, vor allem,
weil sie sich ständig ändern. "Du kanst gut schwimmen,
weiss das Meer das auch?" Ahnungslosigkeit ist vorprogrammiert, nur
die maritimen Experten (und oft auch die Bewohner am Strand) haben ihre
individuellen Erfahrungen mit ihrem Wasser in der Nähe.
Was
also kann man tun? Die Lösung ist so simpel wie einleuchtend: Wenn
die Unberechenbarkeit des Wassers Fakt ist, muss man mehr Respekt vor
den Wirkungen zeigen.
Rip-Strömungen,
Risikostufen und ihre Bedeutung
Die
Risikostufen sind nur Anhaltspunkte, aber keine sicheren Merkmale für
ihre Badesicherheit und Gefahrensituationen, denn Rip-Strömungen
können immer, überall am Meer und zu jeder Jahres- und Tageszeit
auftreten.
Ein geringes Risiko besteht, wenn der Meeresboden fest, der
Strand sanft abfallend und Buhnen, Sandbänke und kleine vorgelagerten
Inseln nicht existieren, wenn das Wasser ruhig ist und Windstille herrscht.
Und dann, wenn Rettungsschwimmer vorhanden sind.
Ein
mittlere Risiko besteht dann, wenn der Strand durch Klippen, Buhnen und
vorgelagerte Sandbänke gekennzeichnet ist.
Ein hohes Risiko, mit
Rip-Strömungen Bekanntschaft zu machen, ist gegeben, wenn zusätzlich
Wind und Wellen die Wassermassen stärker und schneller bewegen.
Wie
man Rip-Strömungen (manchmal) erkenntWenn
unter Wasser Rip-Strömungen aktiv sind, zeigt sich dies manchmal
auch über Wasser. Aufgewühltes Wasser in einem begrenzten Bereich,
andersfarbige (manchmal durch aufgewühlten Sand bedingte braune)
Wasserfarben als die Umgebung, eine rauhe und "zerhackt" aussehende
Oberfläche oder in einem anderen Winkel als die restliche Brandung
brechende Wellen können Rip-Strömungen andeuten - besonders
dann, wenn Buhnen, vorgelagerte Sandbänke und kleine Inseln dem Rückfluss
des Wassers ins offene Meer "im Wege sehen" und die Wind- und
Wellenbewegungen diese Rip-Strömungen zusätzlich unterstützen.
Verhaltenstipps
am Strand:
Es klingt banal, aber es ist der wichtigste
Tipp: Lernen Sie schwimmen und sorgen Sie dafür, daß Ihre Kinder
schwimmen lernen. Und - wann immer es möglich ist: Schwimmen Sie nur an
bewachten Stränden!
Untersuchungen der "United States Lifesaving
Association" belegen, dass das Risiko, an bewachten Badestränden
zu ertrinken, nur 1 zu 18 Millionen beträgt. Eine ähnlich geringe
Wahrscheinlichkeit dürfte auch für bewachte Badestrände in Europa
zutreffen.
Schwimmen
Sie nie allein und lassen Sie Ihre Kinder nie allein und ohne Aufsicht
schwimmen. Achten Sie besonders auf Kinder und ältere Menschen im
Wasser.
Wenn
Sie unsicher sind: Verzichten Sie lieber aufs Schwimmen. Wenn Sie nichts
über Gefahren wissen, ist es besser, sich auf sein "mulmiges"
Gefühl zu verlassen. Passen Sie besonders am ersten Urlaubs- oder
Ferientag auf. Es gibt nach unseren Informationen eine deutliche Häufung
von Bade- und Ertrinkungsunfällen am Anfang der "schönsten Wochen des Jahres".
Fragen
Sie die Rettungsschwimmer nach Strömungsgefahren und nach anderen Risiken.
Es ist ein Teil ihres Jobs!
Gute Rettungsschwimmer kennen die Anzeichen
von Rip-Strömungen an Ihrem Badestrand. Unsere Erfahrungen mit Rettungsschwimmern sind
meist positiv, sie informieren und beraten viel lieber als zu retten,
nutzen Sie diese Chance! Auch Tauchschule, Surfschulen und Ihr Reiseleiter
vor Ort sollte über mögliche Gefahren informiert sein. Gute
Reiseveranstalter legen besonderen Wert auf die Sicherheit am Strand.
Halten
Sie beim Schwimmen im Meer immer ausreichend Abstand zu Buhnen, Molen,
Sandbänken, Halbinseln oder Löchern im sandigen Untergrund.
Das Wasser sucht sich immer den einfachsten Weg, zurück ins Meer
zu gelangen, deshalb ist die Strömungsgefahr an diesen "Unterbrechungen"
besonders gross! Werden Sie nicht zu einem Teil dieser unberechenbaren Bewegungen.
Überlebens-Tipps
in Rip-Strömungen
Wenn
Sie in einer Rip-Strömung sind: Behalten Sie unbedingt Ruhe, Sie
brauchen jetzt ihre Energie und einen klaren Kopf. Sie wollen überleben
!!! Kämpfen Sie deshalb nie gegen die Strömung an !!!
Schwimmen
Sie dann parallel zum Strand seitlich aus der Strömung heraus. Der
direkte Weg aus dem Wasser zum Strand ist meist der falsche Weg! Wenn
Sie dazu nicht in der Lage sind, lassen Sie sich ruhig auf dem Wasser
treiben. Wenn
Sie sich aus der Rip-Strömung befreit haben, schwimmen Sie langsam
in Richtung Strand.
Sollten
Sie nicht in der Lage sein, den Strand zu erreichen: Drehen
Sie sich Richtung Strand, bewegen Sie ihre Arme und rufen Sie um Hilfe.
Wichtig:
Falls Sie vom Strand aus jemanden im Wasser sehen, der sich in Not befindet,
organisieren Sie zuerst eine sogenannte "Rettungskette"! Suchen Sie die Rettungsschwimmer, organisieren Sie
den Notruf und suchen Sie sich Personen, die mit Ihnen gemeinsam Hilfe
leisten!